Es ist schon verwunderlich, welche Kapriolen die ideologieverzerrten Polemiken angesichts der Behinderung fließenden Autoverkehrs durch ein paar klebrige Hände schlagen. Man sei ja, so ist bis in die (Un-)Tiefen von Frei- und Christdemokraten zu hören, völlig einig mit dem Ziel des Klimaschutzes, aber Leute am automobilen Fortkommen zu behindern, das würde dem gemeinsamen Ziel doch nur schaden, weil nun nur über das strafbewehrte "Wie" und nicht mehr über das hochgelobte "Warum" gesprochen wird. Das geht übrigens bis tief ins grün-reale Regierungslager. Aber Hallo! Gerade durch diese Aktionen werden doch diejenigen gezwungen, ein Bekenntnis zum Klimaschutz abzulegen, die heute Fridays for Future loben und sie gestern noch als Straftäter, weil Schulschwänzer, diffamiert haben. Wobei die öffentlich-rechtliche Frau Maischberger glatt den Vogel abschoss: unterbrach sie doch die anwesende Aktivistin der Letzten Generation ständig bei deren Versuch, über die Inhalte zu sprechen, und wollte "erst einmal" über die Form der Aktionen reden. Dass sie damit dem christdemokratischen Nachwuchsideologen Amthor jeweils Steilvorlagen lieferte, schien ihr gar nicht aufzufallen - oder war gar beabsichtigt.
Donnerstag, 27. April 2023
Donnerstag, 2. Juni 2022
Neulich in ...
der Zeitung:
Es sind ja manchmal die kleinen Randnotizen in unseren Tageszeitungen, die einem die Welt so richtig nahebringen - oder aber zur Verwirrung beitragen. "Frau an den Po gefasst", so die grelle Überschrift, und dass nun nach diesem wohl sexuell motivierten Übergriff die Ermittlungsgruppe Großauheim nach Zeugen dieses - so scheint es - ungeheuerlichen Vorfalls sucht. Was aber offenbarte der Artikel? Nicht der weibliche Po war Ziel eines sexuell ausgehungerten Bösewichts, sondern das aus der Gesäßtasche herausragende, sicherlich deutlich sichtbare Handy. So wenig eine aufreizende Kleidung Legitimation für einen Po- oder sonstigen Grapscher bedeutet, so sehr kann das aus einer Po-Tasche hervorschauende iPhone, wie es tagtäglich bei unzähligen meist jüngeren Frauen zu beobachten ist, durchaus eine Aufforderung zur Inobhutnahme für Langfinger bedeuten.
der Hessischen Landesbahn (HLB):
Dank des Seniorentickets, dass aufgrund der Notwendigkeit, auch vor 9 Uhr fahren zu müssen, zur Comfort-Edition aufgewertet wurde, ist es möglich, die am Zugkopf befindliche 1. Klasse zu benutzen. Der um die Mittagszeit ca. 10 Minuten vor der (manchmal pünktlich) geplanten Abfahrt nicht nur in der 1. Klasse menschenleere Zug (das war vor dem 9-Euro-Ticket) ließ den Fahrgast kurz die obligatorische Maske vom Mund wegziehen, um eine Notiz ins Handy zu sprechen. Kaum das erste Wort gesprochen, öffnete sich die Tür der Fahrerkabine und der Triebwagenlenker, der wohl zuvor per Videokamera den schändlichen Verstoß gegen die ÖPNV-Maskenpflicht beobachtet hatte, schoss heraus, um den Reisenden mit einem "Maske auf!" wieder auf die Bahn der Rechtschaffenheit zu bringen.
Nur, dass er selbst das alles natürlich ohne Maske vollbrachte.
Freitag, 1. April 2022
Homo homini lupus (April 2022)
„Nun sind sicher beide Sätze wahr: Der Mensch ist ein Gott für den Menschen, und: Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen; jener, wenn man die Bürger untereinander, dieser, wenn man die Staaten untereinander vergleicht. Dort nähert man sich durch Gerechtigkeit, Liebe und alle Tugenden des Friedens der Ähnlichkeit mit Gott; hier müssen selbst die Guten bei der Verdorbenheit der Schlechten ihres Schutzes wegen die kriegerischen Tugenden, die Gewalt und die List, d. h. die Raubsucht der wilden Tiere, zu Hilfe nehmen.“ (Thomas Hobbes, Lehre vom Bürger).
Eigentlich befassen sich meine Meckereien ja zumeist mit dem im ersten Satz idealisierten menschlichen Miteinander, das in ihrer Suche nach Gottähnlichkeit doch immer wieder absurde, abenteuerliche und auch abschreckende Brüche erfährt. So wollte ich denn auch diesmal wieder über so nette Absonderlichkeiten schreiben wie jene stolze Wissenschaftlerin, die uns allabendlich kurz vor der analogen Primetime von ihrer 25 Jahre zurückliegenden Entdeckung berichtet – dem Wunder der Darmbakterien, dem sie fortan ihre ganze Kraft widmet und mit ihrem Wundermittel omnibiotic den Kassenschlager in deutschen Apotheken gelandet haben will. Oder jene beiden begnadet untalentierten jungen Frauen – die Verwendung der Bezeichnung Schauspielerinnen verbietet der Respekt vor der seriösen Berufsgattung -, die in eindringlicher Weise die künstliche Verdunkelung der eigenen Hautfarbe preisen, so ganz ohne Urlaub, aber mit viel Allzweckchemie Hyaluron.
Wobei sich da schon die nächste Frage aufdrängt: ist die künstlich oder auch an südlichen Meeresstränden natürlich erzwungene Hautbräunung nicht vielleicht doch eine kulturelle Aneignung mit ähnlich rassistischem Hintergrund wie die Dreadlocks eines blütenweißen Bandmitglieds, das nun seine gesangliche Unterstützung des ach so zukunftsorientierten Hannoverschen Ablegers von fridays for future nur noch mit geschnittener Kurzhaarfrisur kundtun darf.
War vor fünfzig Jahren in der Abgrenzung zu den
Herrenvolkideen unserer Väter und natürlich auch Mütter, die mit zum Teil
absurden Beschreibungen äußerlicher Unterschiedsmerkmale ihre arische
Vorherrschaft zu begründen suchten, gerade die Aneignung von Sitten,
Gebräuchen, Äußerlichkeiten von anderen Kulturen die Triebfeder internationaler
Solidaritätsbewegungen. Also ein eher integratives Element und somit das
Gegenteil von der zuvor herrschenden strikten Diversität.
Doch Ede oder besser Wladi, dem großen böse Wolf, der in der Mythologie von Grimms Märchen bis zum Comic arme unschuldige Schweinchen, Zicklein und auch Großmütter zu verspeisen sucht, sei gesagt, dass es in all diesen Geschichten nicht wirklich gut für ihn ausging. Aber vielleicht ist das doch alles nur ein Märchen.
Sonntag, 24. Oktober 2021
Idealerweise Glatteis (Oktober 2021)
Von Generationenaufgaben, von der Verantwortung gegenüber den zukünftigen Generationen ist allenthalben die Rede, wenn es um die Klimapolitik geht. Was eigentlich ist denn nun eine Generation. Üblicherweise nimmt man den Zeitraum von der eigenen Geburt bis zur Geburt des ersten Nachkommens (der ersten Nachkommin?). Dies wurde bisher mit durchschnittlich 25 Jahren angesetzt. Realistischerweise müsste man diesen Ansatz angesichts doch zunehmend späterer Erstgeburtsvorgänge wohl für die zukünftigen Generationen etwas erhöhen, sagen wir auf 30 Jahre. Rückblickend haben also bei Zugrundelegung der bisherigen 25 Jahren seit dem Beginn der christlichen Zeitrechnung etwa 80 Generationen das Licht der Welt erblickt bzw. sie dann auch wieder mehr oder minder freiwillig verlassen. Was diese doch überschaubare Zahl an Generationen in dieser uns doch schon ziemlich lang vorkommenden Zeitspanne so alles erreicht hat, ist schon phänomenal: die vom Christentum ja eigentlich strikt verbotene Tötung des und der Nächsten wurde in einer unvorstellbaren Weise perfektioniert; der Mann im Mond wurde Realität; in Tontafeln eingeritzte oder – je nach Zivilisationsgrad – auf Papyrus gemalte Schriftzeichen wurden durch Emojis genannte Bildchen auf unseren Handybildschirmen abgelöst. Das kannten die Ägypter schon – also nicht das Handy.
Schauen wir jetzt in die Zukunft, spielt angesichts der Entsorgungsproblematik einer dieser Geistesblitze der letzten 80 Generationen, nämlich des Atommülls, mal ganz locker die Zahl von einer Million Jahre eine Rolle, auf Grundlage der oben aktualisierten Generationenlänge also mal locker mehr als 33.000 Generationen. Da kann einem ja angesichts der oben erwähnten Entwicklungen für unsere Zukunft ganz schön schummerig werden, was sich da wohl alles tun wird, während unter den Füßen der Menschheit (so sie es bis dahin denn geschafft hat) in irgendwelchen Salzstöcken der strahlende Müll von gerade mal 4 Generationen brodelt.
Und was hat das Ganze jetzt mit dem Glatteis zu tun, auf das ich mich jetzt begeben will? Nun, es sind gerade mal 0,3 Generationen – nämlich 9 Jahre -, bis idealerweise der Ausstieg aus der Kohleverbrennung erfolgt sein soll. Bis dahin muss also, vor allem wenn der fossile Energieträger Gas auch dran glauben muss, der Umstieg auf regenerative Energie gestemmt werden. Angesichts des Ausbautempos der vergangenen 0,3 Generationen kaum vorstellbar, auch wenn die christdemokratischen Zauderer nun nicht mehr tonangebend sind. Wenn also die fossilen Engergieträger hauptverantwortlich für die CO2-Emissionen sind, ist das Argument, wenigstens für diese 0,3 Generationen die Restlaufzeit der noch im Betrieb befindlichen AKWs zu verlängern, nicht ganz von der Hand zu weisen. Der Grad der Gefährdung bleibt angesichts der Zukunftsbelastung von weiteren 33 Tausend Generationen nahezu gleich. Auch kann eine solche Laufzeitverlängerung an strikte Bedingungen geknüpft werden: jeder Cent aus dem Gewinn der Atomverstromung geht in den Ausbau regenerativer Energie und die AKW-Betreiber müssen bis zum Laufzeitende 2030 die mindestens gleiche Strommenge über regenerative Energie erzeugen, wie ihr AKW produziert hat. Keine wirklich neue und originelle Idee, aber ziemlich grünes Glatteis.
Das hat natürlich
alles nichts mit den Spinnereien der Herren Macron und Microsoft zu, mit ihren
Taschen-AKWs erneut in diese Technologie einzusteigen. Ersterer will seine auch
auf Atomkraft basierende Fantasie des France first verwirklichen, der andere
lebt halt immer noch in seiner Techno-Machbarkeits-Fantasiewelt, in der es kaum
einen Unterschied gibt zwischen MS-DOS, Windows und einem Mini-AKW.
Montag, 27. September 2021
War da was? (September 2021)
Nun ist es also passiert: die Schirmherrin der deutschen, wenn nicht gar europäischen Raute ist mehr oder weniger abgewählt worden. Stimmt natürlich nicht ganz, sie hat ja gar nicht mehr kandidiert und konnte von daher gar nicht abgewählt werden. Und stimmt natürlich auch insofern nicht, als nun die Raute-Plagiatoren um jenen Sessel im Kanzleramt streiten, der die wohlfeile Politik des „Schaun wir mal“ als neuerliche Staatsräson symbolisiert. Und dennoch stehen wir vor einer Zeitenwende, zumindest einer völligen Neuorientierung politischer Versprechungskultur. Sozusagen in leichter, aber doch entscheidender Abwandlung des Ton-Steine-Scherben-Songs: „Alles verändert sich, wenn du nichts änderst“. Die andere Interpretationsart ist die des sprichwörtlichen „wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“.
Was also passiert jetzt mit uns? Wenn man den neuen Raute-Herren glauben kann, dann wird ja jetzt alles anders, vor allem besser. Entlastung der hart arbeitenden Mittelschicht (wie immer die definiert sein mag) – da sind sich alle Protagonisten des nun beginnenden Bäumchen-wechsel-dich-Spiels einig. Hilfe für die da unten und Steuersenkungen für die da oben – da scheiden sich zwar die Wahlkampfgeister, kriegen aber sicherlich einen allseits befriedigende Formelkompromiss hin, der die vielbeschworene bürgerliche Mitte wieder in den seligen Ruhezustand des Weiter-So versetzen wird. Jene bürgerliche Mitte, die laut Umfragebekenntnis den Kampf gegen den Klimawandel als das vordringliche Ziel der Politik ansieht, bei der Aussicht auf 16 Cent mehr fürs Benzin und 130 km/h auf der Autobahn aber schon den grün-sozialistisch Unterdrückungsstaat kommen sieht. Da lieben wir doch die Neu-Rautianer mit ihrer klaren Ansage zum Kampf gegen den Klimawandel: „Nur keine Bange, ist zwar alles nicht sehr schön, aber wir kriegen das hin, ohne dass ihr euch einschränken müsst“.
So können wir uns also nun darauf freuen, dass wir bis 2040 nahezu klimaneutral mit Elektro-SUVs die Erderwärmung gestoppt haben, die Eisberge hören auf zu schmelzen und das alles ohne teures Benzin (braucht dann ja niemand mehr), überall mühlen die Windräder, die Dächer sind übersät mit Photovoltaikmodulen, Kohlekraftwerke sind endgültig Vergangenheit, alle Kumpels arbeiten nun in den Reinräumen digital aufgemotzter Batteriefabriken, die dank Lindnerschen Erfindergeistes ganz ohne Lithium auskommen. Die soziale Schere ist dann auch dank Olaf Scholzens Einsatz fast völlig geschlossen und das alles, ohne den Gutverdienenden und Wohlhabenden unnötigerweise an den Geldbeutel zu gehen.
Der Aufbruch in die schöne neue Rentnerwelt steht uns bevor, hat doch die Generation 60+ dafür gesorgt, dass sie ihre (zeitlich limitierte) Zukunft so ganz ohne Einschränkungen und irgendwelche Verbote ihres Alltagshandelns mit dem neuen Herrn im Kanzleramt gestalten kann. Als hätte es den Klimastreik mit hunderttausenden jungen (aber zugegebenermaßen auch vielen älteren) Menschen zwei Tage vor der Wahl nicht gegeben, als wäre uns die Zukunft unserer Kinder und vor allem Enkelkinder zugunsten gegenwärtiger Wohlfühlnischen völlig egal, ist den Herren von gestern die Verantwortung für morgen übertragen worden. Ob die in ihren Erwartungen arg gedämpften Grünen da etwas gegen die Scholz/Laschet-Lindner Combo grundsätzlich durchsetzen können, ist mehr als fraglich. Grüne Kosmetik hilft uns nicht weiter. Statt Fridays dann vielleicht doch Mondays-to-Fridays for Future.
Montag, 8. Februar 2021
Schwarzmalerei (Februar 2021)
Mittlerweile ist es ja Standard – state of the art, wie der bewanderte Weltenbummler es ja gemeinhin ausdrückt -, dass bei Mietverträgen, Kreditbeantragungen und ähnlichen finanzrelevanten Aktionen ein Nachweis über die Solidität des Antragstellers beziehungsweise der Antragstellerin verlangt wird. Das ist sicherlich im durchaus berechtigten Interesse von Vermietern und Kreditgebern, um zumindest eine Grundversicherung zu haben, an die Miete zu kommen oder die Rückzahlung des geliehenen Geldes sicher zu stellen. Aber nun stelle man sich mal vor, ich lege meinem potentiellen Vermieter eine Gehaltsbescheinigung vor, in der alle Bereiche, die auf die Höhe meines monatlichen Einkommens schließen lassen, mit schwarzen Balken unkenntlich gemacht worden sind. Mein Hinweis, hier handle es sich um schützenswerte Daten eines nicht-öffentlichen Vertrages zwischen meinem Arbeitgeber und mir, einem Betriebsgeheimnis sozusagen, dieser Hinweis also wird meinen potentiellen Vermieter kaum beeindrucken und er wird das bewohnbare Objekt meiner Begierde flugs dem/der nächsten in der Warteschlange anbieten. Ähnliches wird mir sicherlich bei dem Kreditinstitut passieren, dem ich einen in relevanten Passagen geschwärzten Kaufvertrag über mein neues Häuschen vorlege. Oder bei einem Konsumentenkredit die Kreditauskunft mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit meiner jeweiligen Geschäftsbeziehungen verweigere. Das Häuschen oder die Wohnzimmereinrichtung kann ich mir aller Wahrscheinlichkeit nach abschminken.
Das findet ihr, liebe Leser, nun überhaupt nicht erwähnenswert, weil es ja schon eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass derjenige, der einem Geld oder Gut zur Verfügung stellt, das nun wirklich nicht ins Schwarze hinein machen muss. Aber halt. Da gibt es einen großen, wenn nicht gar riesigen Bereich, in dem diese Schwarzmalerei state of the art (s.o.) ist. Nehmen wie das letzte aktuelle Ereignis: Da wird von der Europäischen Union mit einem Pharmakonzern ein Vertrag über die Lieferung von Impfdosen gegen diese unselige Corona-Belästigung abgeschlossen, der Zahlungen in Milliardenhöhe vorsieht. Und nun kommt es zu Unstimmigkeiten über die Auslegung der Erfüllung dieses Vertrages. Den aber kennen nur Eingeweihte, die in Vertretung der europäischen Steuerzahler den Vertrag ausgehandelt hatten. Nach einigem Gezacker ist der Schuldner, also die Pharmafirma, die Geld bekommen, aber den Impfstoff noch nicht geliefert hat, bereit, den Vertrag dem Gläubiger, also dem europäischen Steuerzahler, zu zeigen, auf das die zahlende Öffentlichkeit sich ein Bild davon machen kann, was mit ihrem Geld denn da so passiert. Und was passiert? Überall da, wo es ans Eingemachte geht, Zahlungshöhe, Lieferfristen u.ä. sind statt Informationen schwarze Balken zu sehen. Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnis wird uns als Begründung geliefert. Der Preis einer Ware, die vereinbarte Liefermenge und die zugesagten Lieferfristen sind also ein Betriebsgeheimnis? Dass zwischen zwei privaten Vertragspartnern eine solche Vertraulichkeit gegenüber der Öffentlichkeit besteht, ist ja durchaus nachvollziehbar. Wenn aber einer der Vertragspartner nun die steuerzahlende Öffentlichkeit selbst und damit der Finanzier ist, sollten ja eigentlich ganz andere Spielregeln gelten. Wer mit mir, dir und uns allen einen Vertrag abschließt, wo er ne ganz Latte Geld bekommt, muss mir, dir und allen anderen den Vertrag auf Nachfrage auch ungeschwärzt zeigen. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, also die Rezeptur des Impfstoffs, die Herstellungstechnologie, die Kalkulationsgrundlage u.ä., sind gemeinhin nicht Gegenstand eines Liefervertrages. Wer mit uns, vertreten durch beauftragte staatliche Verhandler, einen Vertrag abschließt, muss uns diesen bei Bedarf (den nicht der Lieferant bestimmt) ungeschwärzt zur Verfügung stellen. Und das betrifft alle öffentlichen (sic!) Verträge, vom Kauf von Schullaptops bis zum BER oder der gescheiterten (aber nicht weniger kostspieligen) Ausländermaut. Zumindest aber sollte eine Schwärzung immer gerichtsüberprüfbar sein.
Aber auf mich hört ja keiner.
Montag, 21. September 2020
Genial – daneben? (September 2020)
Hessen endlich mal wieder vorn, nachdem dieser Slogan des sozialdemokratischen Musterländles (ach nee, das ist ja ein anderer Dialekt) der Sechziger und Siebziger des letzten Jahrhunderts nach der „Machtübernahme“ durch die Christdemokraten doch etwas gelitten hat. Nun fragt sicher die geneigte Leserin und natürlich auch der ein oder andere Leser, wie ich denn dieses Land im Herzen von Europa (halt, schon wieder woanders geklaut) wieder in vorderer Reihe sehen kann. Gut, wir waren ganz weit vorn im Abrufen von persönlichen Daten durch hessische Polizeibeamte, um damit dann Drohschreiben rumzuschicken. Wir sind in Hessen auch ganz weit vorn im Bau von Autobahnen mit Oberleitungen. Gut (schon wieder), ist halt nur ein kleines Stück einer Autobahn zwischen Darmstadt und Frankfurt und das auch noch ohne Fahrzeuge mit Stromabnehmern. Oder hat jemand schon mal einen von diesen Hybrid-LKWs leibhaftig gesehen? Aber sieht lustig aus, wirkt ziemlich zukunftsorientiert und hat auch nur ein paar Millionen gekostet. Das macht den Sinn grüner Regierungsbeteiligung mal so richtig sichtbar.
Und nun auch noch das: Während die meisten Bundesländer fast immer auf Anweisung von Gerichten nach dem corona veranlassten close down dem geneigten Männervolk wieder den Besuch von Bordellen erlauben, fährt Hessen da eine ganz andere, fortschrittliche Linie. Statt die Prostituierten wieder den halsabschneiderischen Laufhausbetreibern auszuliefern, wo die Frauen täglich 150 Euro für ihr Verrichtungszimmer abdrücken müssen, ist – zumindest im Frankfurter Bahnhofsviertel – die Hotelzimmerprostitution nun State of the Art. Hat zwei positive Aspekte: das Zimmer kostet nur 50 Euro und die darbende Hotelerie-Branche hat wieder ein (Teil-)Auskommen, das sie laut FR-Report auch noch mit 20 Euro je Männerbesuch aufhübschen. Vernachlässigt wird bisher nur leider ein schlüssiges Hygienekonzept. Da gibt’s noch Arbeit für unseren grünen Gesundheitsminister. Und für die Frauen muss noch die Kundenanmache geklärt werden, weil die aufgrund der Sperrgebietsverordnung ja auf den Fluss-Straßen des Bahnhofsviertels verboten ist. Da gibt’s also noch einiges zu tun, um Hessen auch auf diesem Gebiet wirklich nach vorne zu bringen.
***
Aber nicht nur solche tollen Erkenntnisse können wir nach dem Studium der heimischen Tageszeitung gewinnen. Aus einer kurzen Meldung über die fortwährende Diskriminierung von Homosexuellen und Transmenschen im Arbeitsleben, erfuhr ich, dass „fast ein Drittel dieser Menschen (…) vor Kollegen immer noch nicht offen mit ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität (umgehen)“. Nun muss ich allerdings enthüllen, dass in dem Betrieb, in dem ich mir derzeit ein kleines Zubrot verdiene, bisher niemand aus der Belegschaft auch nur ein einziges Mal mit seiner oder ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität offen vor mir oder den anderen Kollegen umgegangen ist. Inwieweit dies also Indikator für die unbestritten immer noch vorhandene Diskriminierung sein soll, müssen die Autoren der DIW-Studie dann doch mal genauer erklären.
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Und dann noch neulich in der S-Bahn das: die Mitfahrerin schräg gegenüber zog die Maske vom Gesicht und nieste kräftig. Gut, immerhin in die Ellenbogenbeuge, aber irgendwie hat die gute Frau den Sinn mit der Maskerade wohl nicht wirklich geschnallt.
Dienstag, 25. August 2020
Buten un Binnen (August 2020)
Dass sie Außen (hochdeutsch für Buten) können, habe die Grünen ja mal unter Beweis gestellt. Na ja, zumindest hatte der große grüne Zampano Joschka mal versucht, Einfluss auf die Weltpolitik zu nehmen. Seine Aktivitäten im Nahen Osten waren ja, wenn auch nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt (womit er sich aber in guter Gesellschaft mit den anderen Größen dieser Welt befindet), doch ziemlich sympathisch. Und dass er dann dem George Double-JU die Gefolgschaft zum Waffengang in den Irak verweigerte, was der Gazpromi Schröder dann für sich reklamierte, war dann richtig grüne Außenpolitik. Auch auf anderen Gebieten des Regierungshandelns haben die Grünen sich im Laufe ihrer vierzigjährigen Geschichte durchaus wacker geschlagen. Klar, Umwelt ist Heimspiel, Landwirtschaft ein nicht immer einfach zu beackerndes Feld, dazu noch eine Prise Wirtschaft, Verkehr und Energie und mit der Justiz sogar was Klassisches. Da waren die hessischen Grünen ja sogar Vorreiter. Und das sollten sie angesichts der äußerst misslichen Polizeipolitik eines Christdemokraten in diesem Bundesland – Stichwort NSU 2.0 – vielleicht auch mal mit Innen (hochdeutsch für Binnen) beanspruchen. Würde vielleicht die Gelegenheit bieten, das nicht minder missliche Bild, das die Hessen-Grünen da abgegeben haben, durch vielleicht klügeres Handeln zu korrigieren. Aber das muss man sich halt erstmal trauen.
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Am Hauptthema des letzten halben Jahres komm ich natürlich auch nicht vorbei, Corona allerorten. So gehöre auch ich zu jenen ordentlichen Bürgern, der nicht nur in Geschäften und den öffentlichen Verkehrsmitteln die Maske über Mund und Nase zieht, sondern sich auch gleich die Corona App aufs Handy geladen hat. Doch angesichts des dauerhaft grünen Bildschirms, der ein geringes Risiko signalisiert, fing ich an mich zu fragen, wie meine App denn jemals eine infizierte Person in meiner Nähe melden wird. Setzt dies doch voraus, dass diese Person nicht nur auch diese App auf ihrem Handy installiert und aktiviert hat – sofern die Betriebssystemversion des jeweiligen Handys dies überhaupt zulässt -, sondern nach erfolgtem positiven Test dann auch bereit ist, dies per eingescanntem QR-Code oder eingetippter Codezahl der Öffentlichkeit kundzutun. Zahlen über den Anteil derer, die als positiv Getestete die Corona-Warnapp tatsächlich im Sinne der Erfinder verwenden, sind mir zumindest nicht bekannt. Haben wir es dann auch noch mit einem Corona-Ignoranten zu tun, der sich trotz möglicher Infektion ins Getümmel stürzt, dann wird er oder auch sie sich sicherlich keine Corona-App aufs Handy geladen haben, geschweige denn einen QR-Code gescannt. Der Sinn dieser 20-Millionen-App ist da doch sehr zweifelhaft. Mit dem Geld hätte man sicherlich besseres anfangen können.
Die Sinnfrage stellt sich auch bei der Maskenfrage im Freien, insbesondere an den Meeresstränden. Womit wir wieder bei Buten wären. Dort nämlich weht eigentlich immer ein mehr oder minder starker Wind, der den in den berüchtigten Aerosolen reisenden Viren gar nicht gefällt, weil die Chance, eine menschliche Beute zu finden gegen Null geht.
Auch die Tatsache, dass bei den mit dramatischer Stimme vorgetragenen Infektionssteigerungen mehr der Alarmismus als die Information im Vordergrund steht, lässt an der Sinnhaftigkeit des Zahlenhorrors zweifeln. Keine Informationen darüber, wie sich der Anteil der Infizierten an den Getesteten geändert hat (nämlich gar nicht), keine Informationen über den Anteil schwer Erkrankter, die ins Krankenhaus müssen oder über die Sterberate (jeweils niedrigster Stand überhaupt). Sowas ist Wasser auf die Mühlen der Corona-Leugner. Und dass dieses Virus gemein und gefährlich werden kann, ist auch bei seriös vermittelten Informationen unbestritten.*)
Also bleibt gesund und tragt ruhig eine Maske, tut auch gar nicht weh!
Sonntag, 28. Juni 2020
Jovi grübelt weiter (Juni 2020)
Darauf haben ja einige Politaktivisten nahezu ein halbes Jahrhundert gewartet: dem Schweinesystem geht es nun wohl endlich an den Kragen. Nun zwar anders, als ursprünglich mal gedacht, dafür aber wohl diesmal mit bedeutend größerer Akzeptanz in der Bevölkerung. Da haben Corona und Herr Tönnies mit seinen Sub-Unterstützern mal was Gutes auf den Weg gebracht.
***
Corona ruft neben den Virologen, Epidemiologen, Hygienikern und
sonstigen Wissenschaftlern nun auch die Moralhygieniker auf den Plan: Während
sogenannte körpernahe Dienstleistungen wie Haare schneiden, bunte Bildchen in
Hautpartien stechen, kosmetische Behandlungen diverser Körperteile und Massagen
zu Wellness- und Behandlungszwecken im Rahmen der Lockerungsübungen mit
Auflagen für unbedenklich erklärt werden, dürfen jene Berufsgruppen, die sich
um spezielle Körperregionen in der Mehrzahl männlicher Klienten kümmern, auch
weiterhin ihren Beruf nicht ausüben. Die Definition erlaubter Körpernähe wird
wohl weniger auf Grund von sachlichen als von moralisierenden Gesichtspunkten
bestimmt. Und schon träumen Herr Lauterbach und seine parlamentarische
Gefolgschaft vom nordischen Modell des Prostitutionsverbots. Wie war das noch
mit dem ältesten Gewerbe?
***
Wer bisher gedacht hat, öffentlich-rechtliches Fernsehen steht für seriöse Nachrichten, hätte sich mal die ZDF-heute Sendung vom Abend der Entscheidung über die Vergabe der Fernsehrechte zur Fußballübertragung reinziehen sollen. Lediglich das sendereigene Sportstudio und die ARD-befreundete Sportschau fanden Erwähnung. Beide, wie bekannt, ohne live-Übertragungsrechte. Statt die Auswüchse des Bezahlfernsehens in der Fußballwelt beim Namen zu nennen, werden die Hauptakteure einfach verschwiegen. Nachrichten gehen anders.
Dienstag, 26. Mai 2020
Jovi grübelt zum 500. Jubiläum (Mai 2020)
(Hier eine kleine Auswahl der nur in der Internet-Ausgabe vom strandgut veröffentlichten Grübeleien als Jubiläumsgeschenk)
28.5.2020
Was für eine
Narretei! Wo man auch hinhört, wird das Narrativ beschworen. Was bitte ist das
eigentlich? Ebenso fragwürdig, wie das dem Fachmenschenmund entfleuchte
„containment“. Und schon vor der ganzen Corona Fachbegriffelei gehörte das
„commitment“ oder die „compliance“ zum Vokabular der allerneuesten deutschen
Welle.
Wer jetzt immer noch nicht weiß, was das alles bedeutet, kann ja danach „googeln“.
27.5.2020
Ein Phänomen, das schon vor Corona-Zeiten Fragezeichen aufs Gesicht rief, wird nun richtig absurd: in den ÖPNV-Bahnen pflegen viel Menschen, Frauen nicht gerade in der Minderheit, gerne den Platz am Gang zu besetzen. Wohl in der Hoffnung, dass sich dann kein ungebetener Mitfahrer, vor allem männlich Geschlechts, einfach neben sie setzt. Nun aber bei bestehendem Abstandsgebot jeweils nur die Gangplätze zu besetzen, verringert die sozial-physische Distanz von möglichen 1,8 Meter auf 80 cm. Und das, obwohl sich derzeit eh kein Mensch auf dieselbe Bank quetscht.
26.5.2020
Wer rettet hier eigentlich wen? Ein Herr Thiele, Inhaber der Firma Knorr-Bremse AG und Multimilliardär, kauft kräftig in den Corona-Keller gefallene Lufthansa-Aktien (ist mit 10 % nun größter Einzel-Aktionär), um nun durch die staatliche Stütze, unser aller Geld also, zum großen Corona-Gewinnler zu werden, ohne selbst zur Rettung der Lufthansa beizutragen. Garantien für Spekulanten aber nicht für die Beschäftigten – das ist Soziale Marktwirtschaft á la Altmaier. Von klimapolitischen Vorgaben ganz zu schweigen, er will halt keinen Eingriff ins operative Geschäft. Wir, die Geldgeber, aber schon!
Man lernt ja nie aus: Nachdem ich nach der Wochenend-Lektüre des
Lidl-Prospekts schwer über die Ankündigung eines veganen Weines herziehen
wollte – was an Weintrauben ist denn nicht vegan? -, bewahrte mich Herr Google
vor höhnischem Gelächter eingefleischter (häh??) Veganer. Tatsächlich wird in
der Weinproduktion mit tierischen Produkten hantiert. Gelantine, Hühnereiweiß
oder gar Fischbestandteile werden zur Klärung des Mostes verwendet. Mal ehrlich:
wäre es da nicht eher angebracht, solcherart verhunzten Wein als „mit
tierischen Produkten versehen“ auszuzeichnen, statt den sauberen Wein, für den
es leider noch kein deutsches Reinheitsgebot gibt, als vegane
Ausnahmeerscheinung zu etikettieren? Das wäre doch mal ein schönes
Betätigungsfeld für die frühere Weinkönigin Julia Klöckner.
Nachdem Markus Lanz zu Beginn seiner Talkkarriere im ZDF Frauen nur in
Ausnahmefällen und wenn, dann nur jeweils eine, in seiner erlauchte
Männergästerunde zuließ, schafft er es mittlerweile, hin und wieder auch mal
zwei Frauen einzuladen (es darf nicht verschwiegen werden , dass er einmal
sogar ein reine Frauenrunde versammelt hatte). Aber auch hier hat er seine
Lieblinge: die WELT-Frauen Claudia Kade und Dagmar Rosenfeld. Nun scheint denen
aber der Rang von der Virologin Melanie Brinkmann abgelaufen zu werden. Vom
Frauenstil her ist er sich aber treu geblieben – im übrigen auch seiner eigenen
Auslegung genderspezifischen Sprachgebrauchs: so schafft er es immer wieder,
eine Frau mit der Formulierung anzukündigen, „SIE ist jemand, DER … (das und
das gesagt hat)“.
Was geht eigentlich diesen Filmemachern durch den Kopf, wenn sie
zunehmend möglichst kleingeschrieben WhatsApp- oder sonstige
Messenger-Nachrichten in irgendwelche Handlungsfäden einblenden? Sind sie nur
modernistisch-digitales Schmankerl oder dramaturgischer Bestandteil? Lesbar
zumindest sind sie meistens nicht. Ebenso sollte Film- und Fernsehmacher mal
darüber nachdenken, ob Schrifteinblendungen am unteren Bildrand wirklich in
weißer Schrift auf ebenso weißem Hintergrund erfolgen müssen.
Nun will ja die SPD-Vorsitzende, der Name fällt mir grade nicht ein,
dass jeder Schüler und jede Schülerin ein Tablet bekommt von wegen der
Chancengleichheit. Da stellen sich dann natürlich gleich viele Fragen: sollen
es Apple iPads sein oder doch lieber Android Tablets, die immerhin mit dem
etwas weiter verbreiteten Betriebssystem funktionieren und – soweit nicht von
Samsung – auch preisgünstiger zu haben sind. Das führt dann aber gleich wieder
zur sozialen Spaltung. Hier die exklusiv von daheim ausgestatteten Apfelkinder,
dort das aus knappen öffentlichen Mitteln ausgestattete Google-Prekariat. Aber
vielleicht macht Apple ja ne großzügige Spende von all den ersparten
Steuermillionen (oder waren es Milliarden?).
Da kommt man doch echt ins Grübeln: So schreibt die Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung über einen norwegischen Hedgefond-Manager, dieser
habe sich in rund 30 Jahren als Investor in London ein Privatvermögen von rund
einer Milliarde Euro – und nun hört genau hin – »erarbeitet«. Irgendwas muss
ich in den vergangenen 30 Jahren falsch gearbeitet haben.
Soweit mal. Herzlichen Glückwunsch liebes strandgut zur 500. Ausgabe!
Dienstag, 24. März 2020
Kondome, Knarren, Klopapier (März 2020)
Ob’s jetzt wirklich so stimmt, dass die Franzosen in Zeiten der Corona-Einkaufs-Panik tatsächlich vor allem Kondome hamstern und die eher republikanisch angehauchten Amis die Waffenvorräte in amerikanischen Supermärkten leerkaufen, das sei mal dahingestellt. Würde zumindest unseren Vorurteilen, unserem national profiling sozusagen, total entsprechen. Richtig aber ist, und das ist ja in den letzten Tagen und Wochen sattsam durch die Medien und die eigene Erfahrungswelt gegangen, dass die größte Angst der leicht anal fixierten Deutschen in der Corona Krise ein nicht reinlich geputzter Arsch ist. Wobei zum einen sich gerade an diesem Beispiel die Integrationsbemühungen unserer migrationshintergründigen Nachbarn als gelungen erwiesen haben. Denn deren Einkaufswagen waren genauso mit supersoft 3lagig Wohlfühlpapier überladen wie die der Biodeutschen. Wobei Letztere ausgerechnet das ebenso benannte gräulichfarbene und etwas harte Enddarmpflegeprodukt (diffamierend auch als Schmirgelpapier bezeichnet) erst dann in den Wagen packten, als absolut kein blütenweißer 4lagiger Poschmeichler mehr zu kriegen war. Beruhigend dann allerdings die Bilder leergekaufter Klopapierregale aus Downunder: auch die Aussis haben es mit krisenbedingter hintergründiger Reinlichkeit.
Ja, auch ich komme nicht daran vorbei, meinen Senf zum derzeitig alles beherrschenden Thema dazu zu geben. Auch wenn ein monatlich erscheinendes Blatt angesichts täglich, wenn nicht gar stündlich wechselnder Erkenntnisse, Einschätzungen und Entscheidungen nicht gerade prädestiniert ist, neue Wege aus der krisengeschüttelten Situation zu weisen. Vor allem auch, nachdem sich die von uns ausgegrabene Studie der Athener Universität unter Leitung von Professor Niklas Kaffenion, nach der reichlicher Kaffeegenuss die vornehmlich im Rachenraum angesiedelten Coronaviren durch das Koffein unschädlich machen sollte, als fake und ausgemachter Blödsinn herausgestellt hatte. Ebenso stimmt es wohl auch nicht, dass die hohe Nikotinkonzentration im Munde von Kettenrauchern dem heimtückischen Virus den Garaus machen. Auch die Behauptung, dass Greta hinter allem steckt, ist natürlich Schwachsinn. Allerdings ist der von Fridays4Future zu Recht angeprangerte Flugverkehr ebenso eingebrochen wie die klimaschädlichen Kreuzfahrten. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die klammheimliche Genugtuung von Kevin Kühnert, der seinem Ziel der Verstaatlichung von BMW ein ganzes Stück näher gekommen scheint. Denn im Gegensatz zur boomenden (Klo-)Papierindustrie hamstern nur sehr wenige Leute 7er BMWs.
Nun frage ich mich natürlich, wie all die schlauen Virenwissenschaftler, denen unsere Politiker so willfährig folgen (das würde ich mir bei der Klimadebatte auch mal wünschen), sich vorstellen, wie denn die ganzen von ihnen mehrheitlich empfohlenen Maßnahmen bis zur Entwicklung von wirksamen Medikamenten und Impfstoffen ohne soziale, politische und wirtschaftliche Verwerfungen durchgehalten werden können. Im Gegensatz zu den Klimawissenschaftlern, die eine über 99prozentige gemeinsame Einschätzung haben, gibt es bei den ViWis doch eine nicht überhörbare Anzahl, die diese gesellschaftliche Totalisolierung inklusive Schul- und Kitaschließung durchaus kritisch sehen. Die tauchen aber in all den ARD/ZDF-Specials nicht auf. Da gibt’s nur einen Papst (Drosten) und einen Möchtegern-Papst (Kekulé). Ich will die Gefährdung durch dieses neue und unbekannte Virus nicht bagatellisieren. Aber leere Straßen und S-Bahnen, geschlossene Bekleidungsschuppen bei gleichzeitig geöffneten Baumärkten, scheinen unseren Herrn Covid-19 nicht sonderlich zu beeindrucken. Und was, wenn die gewünschte Abflachung der Infektionskurve erreicht ist? Dann alles wieder auf Anfang? Oder wie?
Montag, 24. Februar 2020
Die Stunde der Experten (Februar 2020)
Große Ereignisse, verrückte und schreckliche, rufen sie allenthalben wieder auf den Plan, vornehmlich in den wichtigtuerischen Talkshows, die insbesondere die öffentlich-rechtlichen TV-Stationen überfluten: die Experten für die besonderen Situationen. Da wirbelt die thüringische Politposse mal kurz die Republik durcheinander und die Politikerklärer stehen Schlange. Geschmückt natürlich mit dem Professorentitel für Politikwissenschaft oder manches Mal mit dem obskuren Untertitel „Politikberater“ werden Einsichten unters Volk gestreut, die diesem schon nach den ersten beiden Meldungen in Tagesschau und heute-Nachrichten klar waren. Die Erben der alten DDR-Blockparteien LDPD und Ost-CDU haben sich auf ein schmutziges Spiel mit der rechts-rassistischen AFD eigelassen, um das thüringische Volk vor der erneuten Machtübernahme durch einen verkappten Sozi aus dem Westen zu bewahren, der ja schon die Jahre zuvor mit seiner SED-Nachfolgeorganisation gemeinsam mit SPD und Grünen den schönen Freistaat zurück in der real existierenden Sozialismus schubsen wollte. Und nun rudern sie erschreckt zurück, die selbsternannten Vertreter der „Mitte“, zerlegen sich selbst, und die Politikexperten erklären dem staunenden Fußvolk, dass die Parteien der Mitte sich selbst zerlegen. Welch ein Erkenntnisgewinn.
Und auch nach den schrecklichen rassistisch motivierten und von rechten Verbaltätern mit zu verantwortenden Morden in Hanau haben wir sie wieder auch dem Bildschirm, die Terrorismusexperten, die uns alle Hintergründe, vor allem aber die naheliegenden noch einmal mit wichtigem Gesichtsausdruck erklären. Da werden sicherlich auch viele richtige Analysen geliefert, nur unterscheiden die sich häufig von denen vorangegangener Terrortaten nur durch den Austausch der jeweiligen Daten und Namen. Aber wir brauchen mehr als nur die Hinweise auf eine immer gewaltbereitere rechte Szene und auf eine die sie legitimierende Sprache einer Partei, in der Faschisten das Sagen haben. Wir müssen auch den Mut haben, jene, die diese Partei wählen, nicht als verlorene Schäfchen zu betrachten, die es zurück zu gewinnen gilt, sondern sie als ideologische Unterstützer zu brandmarken. Die Hetzer und Hasser müssen sich für ihre verbale Gewalt auf den diversen Plattformen und in den sogenannten sozialen Medien verantworten und dürfen sich nicht im Schutz der Anonymität verbergen. Wieso muss ich mich beim Kauf einer Handy-Simkarte ausweisen und legitimieren, beim Einrichten eines facebook-accounts aber nicht? Das ist keine Einschränkung der freien Meinungsäußerung, aber der Zwang, Verantwortung für eben diese Meinungsäußerung zu übernehmen. Wir müssen auch fragen, wieso vereinsmäßiges Schießen mit todbringenden Waffen als Sport verharmlost wird und die Vereinsmitglieder dann diese Waffen und die Munition auch noch mit nach Hause nehmen dürfen. Wir müssen aber auch immer jene mit in die Verantwortung nehmen, die durch Einschränkung rechtsstaatlicher Normen (Orban, Trump) oder der Menschenrechte (Erdogan) die Herabsetzung der Hemmschwelle zu gewaltbereitem Handeln legitimieren
Dienstag, 21. Januar 2020
Reizend (Januar 2020)
Nun haben sie also wieder zugeschlagen, die Wächter des guten beziehungsweise des schlechten Wortes. Aus mehreren hundert Vorschlägen, die ihnen von eifrigen Bürgerinnen und Bürgern zugesandt worden waren, wählten die Gralshüter des guten Umgangstons das Unwort des Jahres wie sie es geflissentlich seit 1991 tun. Die Jury, neben einer Professorin und drei Professoren auch der Vertreter des guten linken Gewissens der Frankfurter Rundschau (ihr wisst schon …), entschieden sich für das Wort „Klimahysterie“. Sicherlich, das ist eine Wortschöpfung, mit der den Mahnern der realen Gefahr eines Klimawandels rhetorisch eins übergebraten werden soll. Das finden wir natürlich nicht gut, vor allem weil der Wortteil „Hysterie“ ja nun einen miesen Beigeschmack hat, wurde er im 18. und großen Teilen des 19. Jahrhunderts doch vor allem Frauen als Merkmal einer psychischen Störung zugeschrieben. Heute wird es mehr im Sinne von übertriebener Aufgeregtheit verwendet, wobei der frauenfeindliche Aspekt bei Verwendern des Begriffs gerade angesichts der Frontfrauen Greta (weltweit) und Luisa (deutschlandweit) sicherlich auch eine Rolle spielt. Und das nicht nu(h)r bei der AFD. Aber ist es deshalb ein Unwort – wobei mir der Begriff selbst nicht wirklich klar ist. Es ist ein Wort. Und zwar ein Wort, dass in einer politischen Auseinandersetzung dem Meinungsgegner an den Kopf geworfen wird. Ja und? Aber der Gebrauch dieses Wortes sagt sehr deutlich etwas über die Person aus, die es benutzt.
Viel schlimmer finde ich da jene, die scheinbar neutrale, womöglich sogar positiv besetzte Worte verwenden, um damit fragwürdigen politischen Zielen einen Heiligschein zu verpassen. Eins dieser Worte, das derzeit fröhliche Urständ feiert, ist der „Anreiz“. Als Antipode zum „Verbot“ wird es im politischen Sprachgebrauch vor allem dazu verwendet, den Menschen vorzugaukeln, sie in ihrer freien Entscheidung durch kleine (oder auch größere) Leckerlies in eine bestimmte Handlungsrichtung beeinflussen zu können. Also wird dem Autokäufer ein 5000-Euro-Anreiz gegeben, um sich damit ein E-Auto zu kaufen, das dann aber wegen seiner schweren Batterien natürlich ein übergroßer Stadtpanzer wird. Der „Erfolg“ solcherart Anreize ist, dass mehr SUVs als je zuvor gekauft werden (allerdings die wenigsten mit Batterieantrieb), aber auch jene geförderten hybriden Autos, die eigentlich nur die wenigste Zeit elektrisch fahren, die Hauptzeit aber stinknormal verbrennend unterwegs sind. Das wird dann als leuchtendes Beispiel der hysterischen Verbotsforderung, ab 2030 nur noch abgasfrei Auto zuzulassen, entgegengehalten. Da wird der Anreiz zwar nicht zum Unwort aber zum Unsinn. Womöglich haben die Anreizprotagonisten da auch die Politik der Firma Microsoft vor Augen: die gaben den Nutzern von Windows 7 und 8 die Möglichkeit - also den Anreiz -, kostenlos auf Windows 10 umzusteigen. Hat aber bei mehr als einem Viertel der Windowsbenutzer nix geholfen, die sind bei der 7er Version geblieben. Und was macht man dann? Nein, kein Verbot, geht ja auch gar nicht. Man stellt einfach den Support ein, gibt das System den Hackern frei. Und schon entsteht Panik. Daran sollten sich die Anreizpolitiker mal ein Beispiel nehmen.
Dienstag, 17. Dezember 2019
Zurück in die Zukunft (Dezember 2019)
Wer hätte das gedacht: die Renaissance der Alchemie, jener obskuren mittelalterlichen „Wissenschaft“, die unter anderem zum Ziel hatte, aus Scheiße Gold zu machen, sie feiert fröhliche Urständ in den HighTech-Gefilden an der us-amerikanischen Westküste. In Anlehnung an Loriots „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“*) wird dort am Konzept des Schnellen Brüters für jedermann gebastelt. Dieses neue Wunderwerk der Technik erledigt all unsere Energiesorgen bis in alle Ewigkeit. Statt CO² produzierender Kohlekraftwerke, statt ineffektiver, die Landschaft verschandelnder regenerativer Energieerzeugungsspargel versprechen uns die Heilsbringer aus dem fernen Seattle das Atomkraftwerk für nebenan. Wobei Seattle sehr ungenau ist, denn tatsächlich wird die Idee in Bellevue ausgebrütet, einem Ort nahe Seattle in Sichtweite von Bill dem Gates (der auch ein paar Taler zur Entwicklung beisteuert) oder Amazon-Chef Bezos. Schöne Aussicht im Wortsinne des Ortsnamens. Aber es ist ja nicht nur das Versprechen, endlich die absolut sichere Lösung der Kernspaltung und das auch noch quasi in jedem Garten gefunden zu haben. Nein, der große Clou ist die Lösung des Problems der Entsorgung von Atommüll, weil diese netten kleine Heim-AKWs diesen Jahrtausendmüll angeblich restlos verbrennen und in unendliche Energie umwandeln sollen. Das ist doch jetzt wirklich mal ne frohe Botschaft, mit der die Verwirklichung des Traums, Scheiße in Gold zu verwandeln, verkündet wird.
Für den Weg zurück in die Zukunft haben sich jetzt ja auch unsere britischen Freunde entschieden. Befreit von den Fesseln eurobürokratischer Vorschriften und Regularien, wird die frühere nordenglische Industrielandschaft zu neuer Blüte gelangen. Die Fischer der englischen Küstenorte werden nun endlich wieder Unmengen von Fischen aus den eigentlich leergefischten Fanggründen der Nordsee angeln, was ihnen die letzten vierzig Jahre von den Brüsseler Sesselpubsern verboten worden war. Das stolze Albion, das Land von König Arthur und Prinz Eisenherz wird neu erstehen aus den Ruinen, die die Herrschaft der Europäischen Union hinterlassen hat. Und das alles zur Freude des Herrschers auf der anderen Seite des Atlantiks, den nicht nur die Haarfarbe mit dem englischen Wahlsieger verbindet. Verbinden tut die beiden ja auch ein eigenartiges Wahlsystem, dass die Amerikaner trotz ihrer Loslösung vom Empire vor nahezu einem Vierteljahrtausend weitergeführt haben. Dieses fälschlicherweise als „Mehrheits“wahlsystem bezeichnete Verfahren sorgte in beiden Ländern für eine Verfälschung des Mehrheitswillens. Schon Al Gore hatte bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 mehr Stimmen als George W. Bush und verlor trotzdem. Sogar die nicht sehr beliebte Hillary Clinton gewann stimmenmäßig gegen den Trumptower, hat aber nichts genützt. Keine schönen Aussichten für das nächste (Wahl)Jahr.
Schöne Aussichten beschert uns allerdings die Deutsche Bahn: per Videowandwerbung in der S-Bahnstation habe ich nun morgens noch Zeit für Yoga, weil mich der DB Streckenagent über die Verspätungen der Bahn informiert. Soviel Selbstironie hätte ich die Bahnern gar nicht zugetraut.
Nicht Selbst- aber Ironie ist ja die schon einmal von mir bemängelte Tatsache, dass die Hessischen Verkehrsverbünde dem Land Hessen ein Jahresticket für sage und schreibe 340 Euro pro Landesbedienstetem überlassen (51 Mio € für 150.000 Beschäftigte). Irgendwie sollte mal eine Sammlung unter mindestens 150.000 Nutzern des ÖPNV organisiert werden, wo jede/r 340 Euro einzahlt und dafür dann auch ein Jahresticket erhält. Allemal günstiger als dies immer noch nicht verfügbare 365-Euro-Ticket für alle.
Wär doch mal was für Campact
Montag, 25. November 2019
Immer wieder Sonntags (November 2019)
Ja, da kommt die Erinnerung. Zumindest die Älteren unter der geschätzten Leserschaft mögen sich noch daran erinnern, dass bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrtausends am Sonntag zwar der alkoholgetränkte Frühschoppen vor oder nach dem Kirchgang möglich war, frisches Backwerk fürs sonntägliche Familienfrühstück aber musste am Samstag besorgt und irgendwie möglichst frischeschonend gelagert und dann aufgebacken werden. In meiner norddeutschen Heimat war werktags um 18 Uhr Schluss mit Einkaufslustig und am Samstag, da wo der Papi laut damaliger Gewerkschaftsparole „mir“ gehört, schon um 13 Uhr. Dass nahezu jeder Laden eine Hintertür hatte, an der nach nachbarschaftlicher Gesichtskontrolle auch außerhalb dieser rigiden Zeitbeschränkungen das eine oder andere Gut zu erhalten war, war offenes Geheimnis. Auf dem Land in den damals tatsächlich noch existierenden Dorfläden sowieso.
Ja, und wer erinnert sich nicht an die Verrenkungen der gesetzgebenden Obrigkeit, das Einkaufsverhalten der immer wieder als mündig beschworenen Staatsbürger zu regulieren. Der „lange Samstag“ oder die Adventsverkaufsöffnungen, dann der lange „Dienstleistungs“-Donnerstag. Als sich dann Anfang des neuen Jahrtausends die Erkenntnis durchsetzte, dass sich das Gesellschaftsbild der tagsüber einkaufenden Hausfrau und des sonntäglichen Familiengottesdienstbesuchs nun doch deutlich gewandelt hatte, durfte fürderhin werktags bis in die Abendstunden dem Konsumrausch gefrönt und am Sonntag zumindest stundenweise frisches Backwerk erstanden werden. Der Bundesgerichtshof brachte nun die nächste Verrenkung zustande, indem er Bäckereien mit Bestuhlung und Bewirtung den ganztägigen Sonntagsverkauf nach dem Gaststättengesetz statt dem Ladenschlussgesetz gestattete. Darf also jetzt mein tegut Supermarkt, in dem sich ein Café-Betrieb angesiedelt hat, nun auch „zubereitete Speisen, die zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt sind“, verkaufen und was zählt dazu? Die verpackte Schokolade, die bei mir zumindest keine lange Überlebenschance hat? Und was ist mit der Flasche Wein, die zum sonntäglichen Mahl gereicht wird? Ist es nicht langsam absurd, dass Menschen, die es nicht geschafft haben, zu den verordneten Zeiten einzukaufen, nun zum Bahnhof, zur Tanke oder zu Flughafen hetzen, um Dinge des täglichen Bedarfs mit der dort herrschenden Ausnahmegenehmigung zu erstehen? Mein oben als damals restriktiv beschriebenes Herkunftsland Schleswig-Holstein hat mit seiner Bäderverordnung gezeigt, dass die heile Feiertagswelt nicht dadurch zusammenbricht, dass dort während der achtmonatigen Urlaubssaison Geschäften die ganztägige Sonntagsöffnung erlaubt ist.
Mal ganz abgesehen davon, dass sich der Online-Handel durch kein Ladenschlussgesetz regulieren lässt. Da wird fleißig auch sonntags bestellt und in den jeweiligen Versandzentralen verpackt und versendet. Also entweder nimmt man es mit der Sonntagsruhe wirklich ernst: Dann sollten aber alle Tätigkeiten, die nicht der Notfallversorgung dienen, eingestellt werden. Keine geöffneten Tankstellen, kein Kino- oder Gaststättenbesuch, kein Bus- oder Bahnverkehr. Wobei die Kirchen wahrscheinlich hinsichtlich der Gottesdienstöffnungszeiten sicherlich eine Ausnahmeregelung für sich beanspruchen. In der Tat eine absurde Vorstellung. Oder aber man lässt die Sonntagsöffnung ganz allgemein zu und regelt dann aber entsprechend die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen. Aber diese ganzen Verrenkungen mit den Ausnahmeregelungen machen es doch wirklich nicht besser. Berechtigt der Stehtisch mit der Tasse Kaffee in einer Ecke der Bäckerei zum ganztägigen Sonntagsverkauf oder nur eine Mindestanzahl bestuhlter Tische? Und wie sieht es mit dem Fleischer aus, der an einem Tisch warmen Fleischkäse zu Verzehr anbietet? Oder dem oben erwähnten tegut? Mit diesen Fragen wird sich die deutsche Gerichtsbarkeit die nächsten Jahre noch trefflich beschäftigen können.
Dienstag, 22. Oktober 2019
Scheiß Sturm (Oktober 2019)
Stürme fegen über das Land. Nein über Europa und den ganzen Globus. Aber es sind nicht diese jahreszeitlich und wettermäßig bedingten, in ihrer Stärke und Unberechenbarkeit aber wohl eher dem Klimawandel geschuldeten Stürme mit den netten Namen wie Mortimer oder Dorian oder Lorenzo. Nein, gemeint sind natürlich, wie der germanisierten Überschrift unschwer zu entnehmen, die shitstorms, die durch das weltweite Netz, das World Wide Web also, wabern. Aber im Gegensatz zu einem wirklichen Sturm, verspüren die ganzen Teilnehmer an diesem ominösen Internet eigentlich gar nichts von einem Sturm. Ein meteorologischer Sturm richtet Schäden an ohne Ansehen von Person, Haus und Gut. Ein shitstorm richtet sich eigentlich immer gegen eine Person, die irgendwas falsches gesagt, geschrieben, getwittert, gefacebooked hat. Also falsch in den Augen der Shitstormer. Und nun frage ich mich, wie das eigentlich genau funktioniert.
Also mal angenommen, ich schreibe hier was ganz Schlimmes, also zum Beispiel, dass wir deutsche Soldaten ins syrische Kurdengebiet an die Grenze zur Türkei schicken sollten, um den Terror der türkischen Invasoren und ihrer Helfer zu verhindern. Gut, ich weiß, die deutsche Soldateska ist nicht gerade in einem Zustand, um Herrn Erdogan das Fürchten zu lehren. Immerhin haben wir ihm ja unser ganzes Kriegsgerät verkauft. Aber sei‘s drum, alle, die das für unheimlich kriegstreiberisch ansehen, wollen nun einen Shitstorm gegen mich lostreten. Aber wie? Also was ins Netz stellen. Aber wo? Fatzebook hab ich nicht, Twitter ist mir ziemlich fremd. Und wenn ich dann so rumgoogel oder firefoxe erwischt mich eigentlich auch keiner. Bleibt nur der Leserbrief, sozusagen als analoges Shitlüftchen, der dann auch noch vier Wochen später abgedruckt werden muss, wo sich dann sowieso keiner mehr dran erinnert.*) Aber andererseits ist das auch ganz schön blöd. Da lässt man mal die Sau raus, schreibt was Provokantes, und keinen scheint es zu jucken, weil das Schreiben von Leserbriefen zu anstrengend ist, immerhin muss man da ganze Sätze ausformulieren und vielleicht sogar noch argumentieren. Insofern könnte einen ein schöner Shitstorm auch richtig wichtig machen. Vorausgesetzt, die Leute kriegen es auch mit.
So wie bei diesem Lachkaspar Dieter Nuhr-im-Ersten. Bei dem ging nach seinen doch etwas doofen Späßchen über unsere Friday-Greta (nun bitte wegen der etwas respektlosen Wortwahl nicht gleich einen Shitstorm veranstalten!) ein Shitstorm los. Wüsste ich nicht, hätte ich es nicht in der Zeitung gelesen. Also schaute ich mir dann seine nächste Sendung an. Und siehe da, mit nahezu stolzgeschwellter Brust verkündete er, wie da ein wahnsinniger Shitstorm über ihn hereingebrochen ist, bloß weil er ein Witzchen über Greta gemacht hätte. Ob’s tatsächlich einen Shitstorm gegeben hat oder nur seine PR-Abteilung etwas aufgeblasen hat, auf jeden Fall triefte ihm sein Stolz ob der durch den (vermeintlichen) Shitstorm hervorgerufenen Wichtigkeit aus allen Poren.
Nun will ich das natürlich nicht verharmlosen oder ins Lächerliche ziehen, wenn in so einem Shitstorm Drohungen, rassistische, menschenverachtende Angriffe und ähnliches laufen. Aber da frage ich mich dann schon, ob diese Anonymität im Internet tatsächlich ein Ausdruck von Freiheit und freier Meinungsäußerung ist. Aber wenn ich jetzt dafür plädiere, dass man Facebook- oder Twitteraccounts nur mit personalisierter Anmeldung wie beim Handy einrichten können sollte, geht bestimmt auch gleich ein Shitstorm los. Also Leute, greift zur Feder und schreibt ganz stürmisch.
Dienstag, 23. Juli 2019
Die zehn Verbote (Juli 2019)
Wenn so ein aufrechter Freidemokrat und manchmal auch ein angstgetriebener christlich sozialer Demokrat den ihnen umfragemäßig davongelaufenen beziehungsweise dicht auf den Fersen hockenden Grünen mal wieder so richtig eins auswischen will, dann bricht das Wörtchen „Verbotspartei“ aus seinem (und manchmal auch ihrem) Munde. Denn mit nichts, so scheinen diese etwas schlichten Gemüter zu denke, kann man dem Wahlvolk einen größeren Horrorschauer den Rücken hinabjagen lassen als mit dieser Wortkombination. Unterstützt werden sie dabei von mutig schreibenden Journalisten wie dem immer wieder zu diesem Behufe in Talkshows á la Markus Lanz eingeladenen Wolfram Weimer oder – fast noch viel besser – jenem neuen konservativen Aushängeschild des Spiegel, Alexander Neubacher, der mit seiner „Gegendarstellung“ genannten Kolumne das linksliberale Spiegelimage so ein bisschen aufmischen soll. Doch was bei seinem Vorgänger Jan Fleischhauer, der mit seinem „Schwarzen Kanal“ über die letzten Jahre diese Rolle trefflich erfüllte, manchesmal ein schön zu lesender Seitenhieb (selten nur Frontalangriff) auf so manche linksgrünantiautoritärfeministischengendergerechten Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit und auch der Gegenwart war (immerhin fühlte er sich in jungen Jahren selbst als deren Teil), gerät bei seinem Nachfolger zu einem weinerlichen Schreckenszenario, das der Spiegel nun wirklich nicht verdient hat.
Als Beleg der bei grüner Machtübernahme auf uns herabbrechende Verbotsbevormundung führt er beispielhaft das Schottergartenverbot an, mit dem die Grünen in der NRW-Stadt Velbert dem freien Bürger verbieten wollen, die üblicherweise mit Pflanzen bewachsenen Vorgärten durch Schotterlandschaften zu ersetzen. Da sollte der gute Mann aber mal ganz schnell nach Frankfurt kommen, wo schon seit Jahren unter dem Verbotsdiktat einer Vorgartensatzung untersagt wird, Grünflächen vor den Wohnhäusern solcherart zu verschandeln. Die durch eine solche naturorientierte Verbotsdiktatur geknechtete Frankfurter Bevölkerung scheint das aber mehrheitlich nicht so beeindruckt zu haben, machten sie die Grünen doch bei der Europawahl zur stärksten Partei.
Aber viel mehr als Schotterverbot und historische Veggiedayforderung, die ja im übrigen mittlerweile Einzug in die Verkaufsvitrinen selbst der Billigdiscounter gehalten hat, fällt den Verbotsparteianklägern aber eigentlich nicht ein. Doch, da gab es doch noch die Forderung eines Grünen, den Menschen dieses Landes aus klimarettender Sicht nur noch drei Flüge im Jahr zuzubilligen. Der Versuch, aus dieser Beschneidung individueller Freiheit (nur fliegen ist schöner) einen Skandal zu machen, verpuffte allerdings sehr schnell, da ja schließlich die überwiegende Mehrheit so gut wie nie mehr als drei Flüge pro Jahr macht. Wobei an der Idee ja eigentlich was dran ist: ähnlich wie beim CO² Emissionshandel könnte man doch die Gesamtzahl an Flügen, die ja nun bekanntermaßen ein riesiger Klimakiller sind, begrenzen. Jeder Bürger hat ein Freikontingent von zum Beispiel drei Flügen und kann dann nicht benutzte Flugrechte an die verkaufen, die mehr fliegen wollen oder meinen zu müssen. Wie ein solcher Verkauf organisiert werden kann, bedarf noch genauerer Überlegungen. Eins allerdings steht fest, die Ticketmafia á la Viagogo ist vom Handel ausgeschlossen.
Auf die im Titel
angesprochenen zehn Verbote bin ich ja jetzt gar nicht gekommen. Wer also
verbotsmäßig fündig werden will, der lese außer der Bibel noch das
Strafgesetzbuch, da wimmelt es nur so von Verboten. Und daran sind die Grünen
nun wirklich nicht schuld.
Anmerkung: in einer vergangenen Meckerei habe ich unseren grünen Verkehrsminister kritisiert, dass er das Seniorenticket trotz seniler Bettflucht nur für Spätaufsteher machen wollte. Das hat er korrigiert: ab Januar gibt es neben dem normalen Seniorenticket, das ab 9 Uhr gilt, auch eine etwas teurere Variante für die Frühaufsteher. Na also, geht doch.
Montag, 20. Mai 2019
Armes Maintal (Mai 2019)
Nein, nicht weil der Schreiber dieser Zeilen, wie die eine oder andere Leserin (er natürlich auch) vielleicht vermuten mag, seit Anfang dieses Jahres seinen Lebensmittelpunkt in diese beschauliche Vielvölker Kunstgemeinde vor den Toren Frankfurts verlegt hat. Dazu war die Zeit dann doch zu kurz, um das Städtchen meckermäßig aufzumischen. Das aber schafft gerade eine kleines oft rundes, manchmal quadratisches Stückchen saugfähiger Pappe, das gemeinhin in Restaurants, vor allem aber in Kneipen dazu dient, an Trinkgläsern herunterlaufende Flüssigkeiten aufzusaugen. Das passiert natürlich vor allem bei einem frisch gezapften Pils. Und da haben wir den Salat. Denn nun wird aus einem Stückchen Pappe, einem Getränkeuntersetzer ein Bierdeckel. Eigentlich ja noch nichts Schlimmes, bietet er doch auch im genässten Zustand Fläche für so manche Botschaften. Mal lustig, mal bierernst (sic!), mal für Notizen und mehr oder minder lustige Fragestellungen in Ina’s Nacht.
Den damit verbundenen Aufmerksamkeitswert wollte sich nun auch die Integrationsbeauftragte der Stadt Maintal zunutze machen. Angeregt durch eine Aktion des Vereins Orient-Netzwerk in Freiburg startete sie die Aktion „Islam auf Hessisch“, ließ Bierfilze mit drängenden Fragen zum Islam in hessischer Mundart bedrucken und in den örtlichen Wirtshäusern verteilen. Da wurde dann der gemeine Maintaler Biertrinker mit der Frage konfrontiert, ob denn Fußballer im Ramadan gar nichts essen dürfen oder ob es Weihnachten auch im Islam gibt. Diese und andere tiefsinnige Fragen sollten ihm den Islam näherbringen, der ihm ja doch immer noch etwas fremd ist. Dass er dann die Antwort auf die Fragen nicht in hessischer Mundart sondern als QR-Code auf der Rückseite des Deckels findet, erscheint angesichts der Verfassung, in der unser Bierfreund den Deckel vielleicht umdreht, eine etwas zu optimistische Herausforderung.
Aber es war nicht dieses etwas verunglückte digitale Integrationsbemühen, das einen Sturm der Entrüstung über die zwischen Frankfurt und Hanau gelegenen Gemeinde hinwegbrausen ließ. Es war der aufmerksame Vorsitzende des Ausländerbeirats, der zwischen den an maurische Ornamente angelehnten Aufdrucken einen Bembel mit dazu gehörigem Rautenglas entdeckte. Das war nun des Guten zu viel! „Bier“deckel ging vielleicht noch, da steht ja auch schon mal ein Glas Wasser drauf. Aber dann noch die Anspielung auf Äppelwoi. Das setzte der Verherrlichung des Alkohols denn nun doch die Krone auf. Denn wie wir uns denken können, steht der muslimische Teil der örtlichen Ausländervertretung dem Alkohol doch eher ablehnend gegenüber. Aber mal ehrlich: welcher Muslim sollte im Wirtshaus bei einem Glas Apfelwein oder so über den Ramadan aufgeklärt werden. Die Zielgruppe sollte ja wohl eher der bierdeutsche Besucher sein, der immer schon mal wissen wollte, „woher komme denn all die Muslime, die wo hier in Hessen leewe“. Zugegeben, der Unterhaltungswert und vor allem der Aufklärungswert ist angesichts bier- oder apfelweinvernebelter Gehirne doch eher begrenzt. Daraus allerdings eine islamfeindliche Verbindung von Alkohol und Religion als gewollten Tabubruch zu konstruieren, wirkt dann doch etwas übertrieben – sozusagen der Sturm im Bierglas. Und dass in der Frage „De Mohammed – was war dann des eichendlisch für aaner?“ eine Verunglimpfung des islamischen Religionsstifters gesehen werden kann, weil auf (nicht in!) seinem Namen ein Bierglas abgestellt wird, zeigt, wie notwendig eine – manchmal auch spaßige – Integrationsarbeit noch ist.
Wer sagt da noch, in
Maintal ist nix los?
Sonntag, 28. April 2019
Wohl bekomms (April 2019)
Wer hätte schon etwas dagegen, dass es Tieren wohlergeht. Na ja, nicht allen Tieren. Also mit Ratten zum Beispiel scheint das ja so eine Sache zu sein: Einerseits füttern wir sie ständig, indem ungebremst Speiseabfälle über die Klospülung in die Kanalisation verbracht werden, wo sie den netten Nagern ein Festmahl bereiten. Andererseits ruft kaum ein Säugetier mehr Ekel hervor als eben die gemeine Kloakenratte aus dem städtischen Untergrund. Auch Meister Lupus, der ständig Großmütter, Rotkäppchen und kleine Zicklein verspeist, steht auf der Beliebtheitsskala – zumindest in einigen Landstrichen – nicht gerade weit oben. Ebenso die gemeine Stadttaube, oftmals als Ratte der Lüfte diffamiert, weckt allerhöchstens bei einigen alleinstehenden älteren, zumeist weiblichen Menschen den Versorgungstrieb und führt zu – oft untersagten – Fütterungsorgien. Von Schlangen, Spinnen und Wespen will ich gar nicht weiter reden.
Nein, aber sonst bricht uns beim Leiden der Kreatur schon das Herz, wenn wir sehen, wie Rinder in irgendwelchen entfernten Häfen an einem Bein hängend vom Schiff auf einen LKW verladen werden. Natürlich klatschen wir da Beifall, wenn unsere Umweltministerin solcherart Quälerei von Tiertransporten untersagt. Und die ganzen niedlichen Schäflein, Häslein und Hündchen (natürlich außer dem beißwütigen Kampfterrier), denen soll es halt gut gehen. Dafür treten dann ja bei der anstehenden Europawahl allein fünf Gruppierungen an, die den Begriff Tierschutz im Namen haben*). Die Grauen Panther zähle ich jetzt mal trotz des tierischen Namens nicht dazu. So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass die Vorreiter tierischen Wohlergehens, die Feinkostketten Lidl, ALDI, Netto, Penny und wie sie alle so heißen mögen, sich nun bei Tierwohlinitiativen nahezu überschlagen. Wenn am Wochenende die bunten Prospekte dieser Ketten im Briefkasten landen, kommen einem beim Studium bei so viel bunt gedruckten Guttieretum fast die Tränen. Da wird zertifiziert und ausgezeichnet, was das Zeug hält – besser wohl: was die Fantasie einer Marketingagentur so hergibt. Und nun, während die Vorreiterin des nachdenklichen Tierwohls, Bundestierwohlministerin Klöckner, noch über die Gestaltung bundeseinheitlicher Fleischlabels sinniert, ergreift der progressive LEH (Lebensmitteleinzelhandel) die Initiative: der Haltungskompass wird geboren. Von Stufe 1 bis 4 werden jetzt die Fleischerzeugnisse nach Haltungsnoten bewertet, also Tier- nicht Körperhaltung. Über die staatlich sanktionierte Massentierquälerei der Stufen eins (Stallhaltung mit 0,75 Quadratmeter Fläche für Mastschweine) und zwei (Stallhaltung plus) ist ja hinlänglich kritisch berichtet worden. Da auch die Stufe drei ja lediglich mit etwas mehr Frischluftzufuhr zu punkten versucht, scheint letztlich ja nur die beworbene Stufe vier Sinn zu machen. Die wird mal als Premium, mal als Bio bezeichnet.
Aber nun kommt’s: Groß sich schulterklopfend beworben tauchen die Kennzeichnungen in dieser vierfachen Vielfalt in den Läden der beteiligten Ketten nicht mehr auf. Schweinefleisch gibt es so gut wie ausschließlich nur in der Tierqualstufe 1 (ich hab zumindest keine andere Note entdeckt). Stufe zwei findet man ab und an mal bei den Hähnchenprodukten. Bio, mit dem sich diese Läden ja nun marketingtechnisch zunehmend schmücken, gibt’s nur durch den Fleischwolf gedreht. Das heißt, Produkte der Kompassstufen 3 und vier werden tatsächlich gar nicht angeboten. Das kann man dann wohl auch getrost Verarsche nennen. Vorschlag an die Tierwohl-Discounter: kassiert einfach an der Kasse für je 100 Gramm Fleisch je nach Haltungsstufe 10 (Stufe 1) oder 5 (Stufe 2) Eurocent zusätzlich fürs Tierwohl und gebt das in einen Fond für ökologisch produzierte heimische Lebensmittel. Das kann man den Kunden sicherlich mit der ganzen Überzeugungskraft eurer bunten Wochenprospekte klarmachen.
Aber wer hört schon auf mich.
*)
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Aktion Partei für Tierschutz – DAS ORIGINAL (TIERSCHUTZ hier!)
Partei
für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische
Initiative (Die Partei)
PARTEI
FÜR DIE TIERE DEUTSCHLAND (PARTEI FÜR DIE TIERE)
Allianz
für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz (Tierschutzallianz)
Dienstag, 19. März 2019
Alte weis(s)e Männer (März 2019)
Ein Gespenst geht um in der westlichen Welt: das Gespenst der alten weißen Männer (AWM). Nicht erst seit der #MeToo-Debatte, aber verstärkt seitdem, steht dieser ominöse alte weiße Mann für das Verdorbene im Manne schlechthin. Man sieht sie förmlich vor sich, die Rest-Testosteron gesteuerten Greise, denen der Sabber beim Anblick (nicht nur) attraktiver Frauen aus den Mundwinkeln läuft. Und da sie allesamt an den Schalthebeln der Macht sitzen, nutzen sie dieses weidlich zur Befriedigung niedrigster männlicher Bedürfnisse aus. Ja sicher, es gibt sie, diese Weinsteins, Trumps, Strauss-Kahns und ihre Kumpane. Aber für die Mehrheit dieser Altersklasse gilt wohl eher die Selbsterkenntnis der Tutti-frutti Ikone aus den Anfängen des westdeutschen Privatfernsehens, Hugo Egon Balder, der zugab, auch im Alter weiterhin gerne jungen Frauen hinterherzuschauen, aber eigentlich gar nicht mehr genau wisse, warum. Und bei Licht betrachtet – das im Übrigen gar nicht so hell sein muss -, sind es ja nicht (nur) die Alten und/oder die Weißen, die ihre Machtstellung gegenüber ihren Untergebenen sexuell, finanziell, gesellschaftlich ausnutzen. Das gemeinsame Merkmal ist „Mann“. Aber das ist ja nun wirklich keine neue Erkenntnis.
Also was soll eigentlich dieses Alte-weiße-Männer-Bashing bewirken? Altersdiskriminierung? Rassismusvorwurf? Immerhin war in der von humanistisch Gebildeten verklärten hellenistischen Antike der alte Mensch – zumeist, da hat sich bis heute ja nicht viel geändert, der Mann – zugleich auch der zu achtende weise Mann. Über die ihm immer wieder nachgesagte Vorliebe zur Knabenliebe wurde großzügig hinweggelächelt. Also nochmal: was soll diese Alt-Weiß-Mann-Zuschreibung? Wie dem alten, weißen und weißhaarigen (zumindest von dem, was noch übrig geblieben ist) Schreiber zugetragen wurde, wird AWM nun auch zum Stilmittel politischer Auseinandersetzung, eher vielleicht sogar Diffamierung. Da gibt es zur Zeit öffentlich ausgetragene Differenzen zwischen dem fürs Wohnungswesen zuständigen Landesminister Tarek Al-Wazir und großen Teilen seiner Frankfurter Basis über die Sinnhaftigkeit eines Verbots, Wohnhäuser über Jahre leer stehen zu lassen. Dass sich die Oppositionsparteien daran erfreuen, gehört zum politischen Alltagsgeschäft. Dass aber eben jener Minister seine innerparteilichen Kritiker der AWM-Kategorie zugeordnet haben soll, sozusagen als Alte-Männer-Geschwätz oder Alte-Männer-Grantelei abtat, steht ihm, der sich doch so aufopferungsvoll für ein landesweites Seniorenticket (also auch ein bisschen AWM) stark macht, nicht gut zu Gesicht. Was eigentlich macht es einem mittelalten Minister so schwer, den Großstadt-Regierungen ein Instrument an die Hand zu geben, um gegen Leerstandsspekulanten vorzugehen. Wenn es denn keine gibt, wie er behauptet, wird das Instrument halt nicht angewendet. Aber eben, wenn …